Das bosnische Juwel im Falkenhorst – Mittelfeldmotor Elvedin Heric

Das bosnische Juwel im Falkenhorst – Mittelfeldmotor Elvedin Heric

23.08.2018

Mit der Verpflichtung von Elvedin Heric haben die Falken einen absoluten Glücksgriff getätigt. Der Mittelfeldspieler aus Tuzla ist sportlich wie menschlich eine tolle Verstärkung und eine enorme Bereicherung für die KSV 1919. "Hera", wie unsere Nr.4 von seinen Mitspielern genannt wird, liefert bislang hervorragende Vorstellungen ab und hatte in den letzten Tagen gleich mehrfachen Grund zur Freude: Auf sein erstes Meisterschaftstor beim Sieg gegen Steyr folgte die Einberufung ins U21-Nationalteam.

Die Falkenreporter haben den sympathischen Bosnier zu einem ausführlichen Interview getroffen.

Falkenreporter: Hera, du bist jetzt seit Mitte Juni in Kapfenberg. Hast du dich gut eingelebt?

Elvedin Heric #4: Ja, ich muss sagen, ich fühle mich sehr wohl in Kapfenberg. Alle Leute sind sehr nett und freundlich und es ist sehr schön hier. Ich wohne gleich neben dem Stadion in einem Appartement, hab also nicht weit zum Training – das ist super für mich. Die Mannschaft und die Trainer haben mich auch super aufgenommen. Die Teamkollegen sind toll. Alles gute Typen! Die Bedingungen und das Umfeld sind perfekt. Die Plätze und die Trainingsmöglichkeiten sind um einiges besser als in Bosnien. Es passt einfach alles und ich bin sehr glücklich, dass ich hier bin.

Du bist ja vom bosnischen Erstligisten FK Sarajevo zu den Falken gewechselt. Wie ist der Transfer zu Stande gekommen?

Ich war in Sarajevo zwar in der ersten Mannschaft, hab aber nicht so viel Einsatzzeit (insgesamt 17 Einsätze in der Premijer Liga) bekommen und mich daher entschieden, mir einen neuen Verein zu suchen, wo ich regelmäßig spielen kann. Ich hatte zunächst ein Angebot aus der Schweiz. Da hat es für mich aber nicht gepasst. Zum Glück bekam ich dann die Möglichkeit 2 Tage in Kapfenberg zu trainieren. Danach wollte mich das Trainerteam unbedingt haben und deshalb hab ich mich für Kapfenberg entschieden!

Kannst du deinen bisherigen sportlichen Werdegang kurz schildern?

Ich habe von klein auf bis zur U17 bei meinem Heimatverein FK Tuzla gespielt. Bei einem Spiel gegen Sarajevo bin ich dann entdeckt worden und habe das Angebot bekommen in die damals neuerrichtete Akademie von FK Sarajevo zu wechseln. Das habe ich natürlich angenommen und dann über die Akademie bzw. die U17 und die U19 den Sprung in die Kampfmannschaft geschafft. Und jetzt bin ich froh, dass ich in Kapfenberg bin.

Ist dir die Entscheidung deine Heimat zu verlassen und nach Österreich zu gehen schwer gefallen?

Aus sportlicher Sicht überhaupt nicht! Ich wollte mich unbedingt weiterentwickeln und ich habe gewusst, dass ich in Kapfenberg die Möglichkeit dazu habe. Ich sehe den KSV als Sprungbrett. Ich bekomme die Chance in einer guten Liga viele Spiele zu machen und das ist natürlich sehr positiv für meine Entwicklung. Natürlich wusste ich auch, dass ich absofort meine Familie und meine Freunde kaum noch sehen werde, aber ich will in meiner Karriere weiterkommen und daher war es eigentlich keine schwere Entscheidung.

Hast du die Möglichkeit ab und zu mal nach Hause zu fahren, um deine Freunde und Familie in Bosnien zu sehen?

Ich war seit meinem Wechsel nach Kapfenberg noch nicht zu Hause. Wir trainieren ja täglich und bei 13 bis 14 Stunden, die ich für Hin und Rückfahrt in meine Heimat benötige, geht sich das zeitlich schwer aus. Zumal ich mich auch voll und ganz auf das Training und die Spiele konzentriere und fokussiere. Ich lebe für diesen Sport. Ich tu alles dafür um mich zu verbessern und den nächsten Schritt zu machen und ordne dem Fußball daher alles unter. Natürlich vermisse ich meine Eltern und meine Freunde, aber ich hab große Ziele und möchte jetzt mal eine gute Saison mit dem KSV spielen. In der Winterpause habe ich dann wieder Zeit meine Eltern und Freunde öfters zu sehen.

Bisher läuft es ja sehr gut für dich hier in Kapfenberg. Du hast dir einen Stammplatz erkämpft und zählst bereits zu den absoluten Leistungsträger. Zuletzt gegen Steyr ist dir auch dein erstes Meisterschaftstor für die Falken gelungen. Wie zufrieden bist du selbst mit deinen bisherigen Leistungen?

Ja das ist natürlich schön, dass es bei mir und bei der Mannschaft vom Start weg ganz gut läuft. Ich freue mich, dass ich viele Einsätze bekomme und gebe jeden Tag mein Bestes, um dem Team zu helfen. Zufrieden darf man nie sein, aber ich bin froh, dass ich meinen Beitrag leisten kann. Mein erstes Tor in dieser Liga hat mich sehr gefreut. Das war ein sehr gutes Gefühl. Vor allem weil wir auch gewonnen haben. Ich hoffe, ich kann weiter zulegen und weiter gute Leistungen zeigen.

Wie würdest du dich selbst beschreiben? Was sind deine Stärken?

Ach, das ist schwierig zu beantworten. Ich bin sicher sehr ehrgeizig und zielstrebig, aber ganz nett (lacht). Ich weiß nicht… Ich versuche am Platz immer Alles, was ich habe, zu geben. Ich denke, zu meinen Stärken zählt das Passspiel und das “Kämpferische“. Mein Schuss ist auch ganz gut. Aber das müssen andere oder der Trainer beurteilen.

Beim Heimspiel gegen Ried war der bosnische U21-Teamchef im Stadion, um dich zu beobachten und prompt ist die Einberufung ins bosnische U21-Nationalteam für die anstehenden EM-Qualifikationsspiele gegen Schweiz und Rumänien (7. & 11. September) erfolgt. Ist das auch eines deiner großen Ziele für dein Land zu spielen?

Das ist mein Traum für mein Land zu spielen! Ich durfte schon im U17 und im U19 Nationalteam für Bosnien auflaufen. Das waren schöne Erlebnisse! Und jetzt bin ich natürlich überglücklich, dass ich auch ins U21-Team einberufen wurde. Als ich von der Nominierung erfuhr, habe ich mich riesig gefreut und die ganze KSV-Mannschaft als Dankeschön sofort zu einer „Jause“ eingeladen. Ich freue mich darauf und bin stolz, dass ich bei den Länderspielen gegen Schweiz und Rumänien dabei sein darf und hoffe auch auf einen Einsatz. Die Einberufung spornt mich jedenfalls zusätzlich an und gibt mir natürlich auch Auftrieb für die nächsten Spiele mit den Falken.

Du bist in Deutschland geboren, aber in Bosnien aufgewachsen, sprichst aber dennoch sehr gut Deutsch. Wie hast du die Sprache erlernt?

Ja, ich bin Augsburg geboren, weil meine Eltern dort kurz gelebt haben, war dann aber ab meinem 2.Lebensjahr in Bosnien. Deutsch habe ich mir selbst beigebracht. Ich habe im Fernsehen immer deutsche Programme geschaut und so die Sprache gelernt. Meine Schwester wohnt seit Jahren in Berlin und mit ihr habe ich auch immer Deutsch gesprochen und das hat natürlich auch geholfen, mir die Sprache ein wenig anzueignen.

Wie sieht´s mit deinen Hobbies aus? Was machst du gerne, wenn du nicht am Fußballplatz stehst?

Mein liebstes Hobby ist Tennis. Das macht mir unheimlich viel Spaß, aber ich bin hier in Kapfenberg leider noch nicht dazugekommen. Aber ich hab mit Leo (Levan Eloshvili) schon ausgemacht, dass wir uns mal “matchen“ und uns ein Getränk ausspielen. Da freue ich mich jetzt schon drauf! Ansonsten gehe ich auch gerne schwimmen. Wir haben hier ein wunderschönes Freibad und vor allem jetzt im Sommer ist es sehr angenehm nach dem Training ein paar Runden zu schwimmen.

Zurück zum Sportlichen: Mit dem Sieg gegen Steyr haben die Falken den 2.Tabellenplatz erobert. Mit welchen Erwartungen geht man jetzt in die nächsten Spiele?

Das ist natürlich schön, dass wir im Moment oben dabei sind. Natürlich müssen wir noch zulegen, aber der Start war gut und sehr wichtig für unsere junge Mannschaft. Allerdings ist jedes Spiel eine neue Herausforderung. In dieser Liga kann jeder jeden schlagen – also dürfen wir uns nicht ausruhen und müssen weiter hart arbeiten und in jedem Spiel unsere Top-Leistung auf den Platz bringen. Und wenn uns das gelingt, werden wir auch in den nächsten Spielen unsere Punkte holen!  

Danke Hera für das Interview und alles Gute für die kommenden Aufgaben. Und an dieser Stelle nochmal herzlichen Glückwunsch zur Einberufung in das bosnische U21-Nationalteam!

Die besten Bilder von Hera gibt´s in der Galerie